21. Sommerschach 2006
Es war „nur“ ein Tagesturnier
... und der Tag des „Mr. Sommerschach“
[schu] Insgesamt 132 Schnelldenker im Alter von neun bis 76 Jahren sowie zahlreiche Zuschauer pilgerten am Samstag mittag zum Dietrich-Keuning-Haus, um die Tradition der 1985 ins Leben gerufenen vierzehntägigen Kultveranstaltung „Sommerschach“ im Fußball-Ausnahmejahr 2006 ersatzweise mit einem eintägigen großen Preis-Schnellschachturnier fortzusetzen.
Anders als sonst wirbelten die Schachfiguren. Denn nicht mehr als fünfzehn Minuten standen den Klub- und Hobbyspielern für jedes ihrer insgesamt neun Duelle zur Verfügung. Entsprechend oft und alle halbe Stunde mußten die gesamte Schar der Akteure umgesetzt sowie jedesmal neue, ebenbürtige Partiegegner gefunden werden, bevor am Abend endlich alle Gewinner von über eintausend Euro Prämien und zahlreichen attraktiven Sachpreisen ermittelt waren. Aufwendige Computerprojektionen und ein selten so perfekt eingehaltener Zeitplan machten es möglich, daß sich die erschöpften Denkakrobaten anschließend in ihre Stühle zurücklehnen und pünktlich auf der Großleinwand den 3:1-Sieg der deutschen Elf über Portugal verfolgen konnten, welchen das Keuning-Haus im Rahmen seines Sonderprogramms „WM TOTAL IM DKH“ übertrug.
Ein Unikum war der Gesamtsieg beim 21. Sommerschachturnier: Jens Zelt (30) aus der Dortmunder Nordstadt, wegen seiner ununterbrochenen Teilnahme seit 1985 als „Mr. Sommerschach“ weithin bekannt, gewann alle neun Partien und distanzierte damit den Zweitplazierten, Ulrich Woestmann vom SF Berghofen Wambel, um volle 1,5 Punkte. Dabei hätte Zelt eigentlich gar nicht starten dürfen, denn er gehörte mit seiner aktuellen Leistungszahl von deutlich über 2000 Punkten zu jenen Top acht Prozent der Klubakteure, die traditionell von der Breitensportveranstaltung „Sommerschach“ ausgeschlossen sind. Weil ihm jedoch niemand seine 21. Turnierteilnahme verwehren wollte und der Favorit obendrein das Handycap des Abzugs eines ganzen Punktes in Kauf zu nehmen bereit war, erntete Mr. Sommerschach für seine furiose Tagesleistung schließlich doch neidlose Anerkennung, reichlich Applaus und 225 Euro.
Insgesamt erhielt fast jeder dritte Mitspieler einen Preis. Für beispiellos ausgewogene Gewinnchancen aller sorgte dabei eine ausgeklügelte Spezialpreisvergabe, die Sommerschach-Organisator Pit Schulenburg anderen Turnierveranstaltern in Zukunft als „Dortmunder System“ ans Herz legen möchte. Dieses System sowie einen vollständigen Endstand können Neugierige im Internet unter www.pitschulenburg.de nachschlagen.
Für den Sommer 2007, wenn es wieder ein reguläres zweiwöchiges Sommerschachturnier geben soll, plant der Organisator für einen der Sonderveranstaltungstage auch eine Neuauflage des Preis-Schnellschachs.

